KENIA die Zweite
June 23rd, 2009Die Jugend in Kenia will an der globalisierten Zukunft teil haben
Drei Jahre nach meinem ersten Kenia-Aufenthalt: Zuvor einige Hausarbeiten, Seminare und Arbeiten bei DASDING. Dann endlich hieß es wieder: Back to Kenya. Zurück in der zweiten Heimat mit vielen Ideen, aufgestauten Emotionen und vor allem viel Neugierde auf die Entwicklungen, meine Freunde und die Selbsthilfeband WARRIORS. Ich hatte echt Schiss wiederzukommen! Während der Unruhen nach den Wahlen 2007 wurden 1000 Kenianer getötet, 600.000 sind vertrieben worden. In den deutschen Nachrichten gab es hauptsächlich Berichte über Chaos und Straßenschlachten. Die zwei Präsidentschaftskandidaten haben sich nach den manipulierten Wahlergebnissen dank der Vermittlungshilfe von Kofi Annan darauf geeinigt, die Ministerien auf die zwei Hauptparteien aufzuteilen. Kibaki vom Stamm der Kikuyu (die meisten Einwohner in Kenia sind Kikuyu) blieb der neue alte Präsident und Odinga vom Stamm der Luo wurde Premierminister.
„Eigentlich hat sich in der Politik in Kenia aber nichts verändert. Nur der Tisch, an dem die Politiker ihre korrupten Geschäfte beschließen ist durch die Koalitionsregierung größer geworden“, erzählt mir der ARD-Korrespondent Jochen Hütte in seinem Büro in Nairobi. „Es geht den Politikern nur um Macht. Kenia schien als demokratisches Vorzeigeland Afrikas, davon ist es jedoch weit entfernt.“
In Nairobi gibt es nicht einmal eine öffentliche Müllabfuhr. Der öffentliche Verkehr wird privat gemanagt. Da fragt man sich schon, ob die Politiker noch anderes machen außer Golf spielen und Tee trinken. Wir lesen in der kenianischen Tagesszeitung „The Nation“ dass Barack Obama und Kofi Annan der kenianischen Regierung 2009 ein Ultimatum stellen: Bis Ende August soll ein nationales Gewaltverbrechertribunal eingerichtet werden. Die Verbrechen nach den Wahlen sollen bestraft werden.
Aber ich würde Kenia und die Kenianer nicht so lieben, wenn es nicht auch die andere Seite gebe: Ja, es hat sich gelohnt wiederzukommen! Nicht nur weil Kenia ein atemberaubend schönes Land ist, sondern weil in Kenia eine Jugend heranwächst, die die korrupte Geschichte des Landes überwinden und neue Wege gehen möchte.
Die kenianische Selbsthilfegruppe der WARRIORS hatte sehr unter den Unruhen nach den Wahlen zu leiden. Sie mussten gegenseitig nachts Wache halten um sich vor Überfällen zu schützen. Ihre Projekte wurden teilweise respektlos behandelt und zerstört. Die Kinder des Waisenheimes GLADICARE mussten aus den Slums von Nairobi an den See Viktoria im Westen des Landes umziehen, weil es in der Stadt für sie lebensgefährlich war.
Und trotzdem sitzen mir die Warriors mit glänzenden Augen gegenüber, wenn sie mir von ihrer neuen Projektidee erzählen. Sie wollen ein Studio für junge Musiker in den Slums aufbauen und junge Talente unterstützen. Die Aufnahmen für einzelne Songs und Alben sind in Nairobi für Musiker aus den „Ghettos“ mit weniger als einem Dollar am Tag Einkommen unbezahlbar. Deshalb wollen die Warriors mit ihrem Studio eine Alternative bieten. Aufnahmen sollen bezahlbar werden. Damit sollen Songs, die aus dem Alltagsleben der Slum Bewohner und ihren Zukunftsvisionen erzählen auch eine Chance haben, im Radio zu laufen. Die Warriors wissen selbst wie schwer das Musikgeschäft ist. Vor allem wenn ein Musiker aus den Slums kommt hat er kaum eine Chance darauf, dass seine Lieder offiziell gespielt werden.
Sie zeigen uns ihr Equipment: Ein altes Schlagzeug, einen kleinen alten Verstärker, eine Gitarre und einen Bass.
„Das Studio muss komplett schallisoliert werden. Bis wir wirklich Aufnehmen und Produzieren können ist es noch ein langer Weg. Aber wenn wir es nicht versuchen macht es keiner. Die Politiker unterstützen uns nicht bei sozialen Aktionen“, erzählt uns der Sänger Mtapa. Die komplette Aufnahmetechnik für ein Musikstudio fehlt noch. Die WARRIORS brauchen zum Beispiel Mikrofone, Kabel, ein Mischpult und ein Aufnahmegerät. Überschlagen brauchen die Warriors für das neue Studio in den Slums von Nairobi 6000 Euro.
„Es gibt Fortschritte“, erzählt mir der Sozialarbeiter Kit Mikayimarwa, als wir gemütlich bei einem Bier zusammen sitzen. Inzwischen organisiert der 26jährige, der selbst in den Slums aufgewachsen ist, Schüleraustausche zwischen kenianischen und japanischen Schulen. „Die Gewaltverbrechen nach den Wahlen waren schrecklich. Aber wir Kenianer haben daraus gelernt. Es ist nun wichtiger denn je, dass wir uns nicht nur als Zugehörige zu einer bestimmten Ethnie sehen. Die Jugend in Kenia will an der globalisierten Zukunft teil haben. Was die Politiker nicht hinkriegen, machen wir selbst“, so Mikayimarwa.
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Stichwort: „WARRIORS“
